Gemeinderatsitzung in Bad Krozingen

Am 3. April haben Bürgermeister Volker Kieber und der Gemeinderat von Bad Krozingen zur Gemeinderatsitzung geladen. Vorsitzende der AFLIG hatten darum gebeten, ihren Standpunkt (Samstags ist der Flugbetrieb um 13 Uhr einzustellen, an Sonn- und Feiertagen muss er unterbleiben; generell sind eine Mittagspause von 13.00 Uhr bis 15.00 Uhr und der Feierabendschutz ab 18 Uhr einzuhalten) vorstellen zu dürfen. Um eine einseitige Sicht der Dinge zu vermeiden, gab die Stadtverwaltung auch Repräsentanten von ProFlug e.V. die Möglichkeit, ihre Sichtweise der Tatsachen zu erläutern. Der Stadtverwaltung von Bad Krozingen vielen Dank für dieses faire Vorgehen.

Was sagt die Aflig?

Die Aflig-Vorsitzende Dorothea Hauß stellte die zen­trale Forderung: „Keinen Hobbyflug auf Kosten der Ge­sundheit der Bevölkerung“.

Laut Aflig sind 95 Prozent der jährlich 40000 bis 45 000 Flugbewegungen auf dem Flugplatz im Gewerbepark Breisgau würden durch Freizeitfliegerei verur­sacht, davon 70 Prozent am Wochenen­de. (Anmerkung Proflug: Diese Zahlen sind leider weder richtig noch verifizierbar)

Frau Hauß erinnerte an die Runden Tische, die 2014 und 2015 unter Moderation der Landtagsabgeordneten Bärbl Mielich (Grüne) stattfanden. Ein Jahr lang gab es monatliche Treffen mit den Flie­gern, um gemeinsam An- und Abflugrouten auszuarbeiten, die Wohngebiete vermei­den. Die Routen seien 2015 umgesetzt worden, „dadurch gab es eine deutliche Entlastung“, so der stellvertretende Aflig- Vorsitzende Wolfgang Ahlschwede. Doch „der Gewerbepark und ein Herr im Regie­rungspräsidium“ hätten nicht gewollt, dass die Flugrouten verbindlich werden, so Ahlschwede. Prompt wäre 2016 „der Lärm wieder wie vorher“ gewesen. Die Aflig hätte sich gezwungen gesehen, zur Maximalforderung zurückzukehren. „Die Gespräche waren gescheitert.“

Was sagt Pro Flug?

Die Maximalforderung der Aflig, an Sonn- und Feiertagen gar keine Flüge zuzulas­sen, samstags nur bis 13 Uhr und werk­tags nur bis 18 Uhr (mit einer Mittagspau­se zwischen 13 und 15 Uhr), kommt einer Schließung des Flugplatzes gleich, meinte Robin Schimmele. Der Pro-Flug-Vorsitzende betonte die Bedeutung des Flug­platzes, der „kein Privatspielplatz“ weni­ger Piloten sei, sondern ein beliebtes Aus­flugsziel. Seit 2015 gilt die Landeplatz ­Lärmschutzverordnung, seither „müssen laute Maschinen zu ruhesensiblen Zeiten stehen bleiben“, so Schimmele. Ohnehin hat der Flugplatz nur von 9.30 bis 20 Uhr geöffnet. Schimmele betonte den Willen der Piloten zu einer Einigung.

In der Arbeitsgruppe hat Pro Flug gut mit Aflig zusammengearbeitet. Gemein­sam sind nicht nur Flugrouten erarbei­tet, sondern auch weitere Vereinbarun­gen getroffen worden. Unter anderem haben sich die Fallschirmspringer ver­pflichtet, ein leiseres Absetzflugzeug zu kaufen. Dass die Gespräche letztlich ge­scheitert sind, „ärgert uns gewaltig. Wir haben sehr viel Arbeit und Zeit hineinge­steckt“, sagte Schimmele. Ihn und seine Mitstreiter würde es auch entlasten, wenn die Anflugrouten verbindlich und alle Piloten bebautes Gebiet meiden wür­den. „Wir hoffen noch, aber es liegt nicht in unserer Hand“, so Schimmele. Übri­gens seien die Oldtimer-Piloten mit dem Weg von Pro Flug nicht einverstanden ge­wesen und aus dem Verein ausgetreten.

Was sagt der Gemeinderat?

Die in guter Zusammenarbeit entwickel­ten Anflugrouten könnten doch vielleicht eine Grundlage für weitere Gespräche sein, meinte Bürgermeister Kieber und fügte hinzu: „Ein Kompromiss wäre das Beste.“ Ähnlich äußerten sich Vertreter mehrerer Gemeinderatsfraktionen.

Was sagt der Gewerbepark-Chef?

Markus Riesterer, Geschäftsführer des Gewerbeparks Breisgau, weist die Dar­stellung der Aflig zurück. Bei den beiden runden Tischen im Oktober 2014 und im Mai 2015 „wurden Kompromisse erzielt, welche von der Geschäftsleitung alle so akzeptiert wurden und auch heute noch gelten“ An den Anflugrouten habe Wer­ner Hoffmann, damals Erster Flugleiter des Gewerbeparks, aktiv mitgearbeitet und viele Stunden investiert. Daher sei es „geradezu absurd“ zu behaupten, dass der Gewerbepark mit Schuld am Schei­tern der Gespräche sei, so Riesterer. Viel­mehr habe sich die Aflig beim dritten Treffen für alle überraschend auf ihre Ma­ximalpositionen zurückgezogen.

Riesterer bezweifelt, dass 95 Prozent der Starts und Landungen im Gewerbe­park durch Freizeitflieger verursacht wer­
den. Er wisse nicht, wie die Aflig zu der Zahl komme, „wir kennen sie jedenfalls nicht, da wir nicht nachfragen, aus wel­chem Grund geflogen wird“.

Die Flugbewegungen hätten seit 2011 um mehr als 30 Prozent abgenommen, von 45 078 auf 31 400 im vergangenen Jahr. Der Rückgang sei eine Folge von Maßnahmen, die die Geschäftsleitung vor Beginn der Gespräche mit Pro Flug und Aflig 2014 getroffen habe: Demnach dürfen von März bis Ende Oktober sonn- und feiertags zwischen 13 und 15 Uhr keine Platzrunden gedreht werden. Für Oldtimer-Flugzeuge und die Fallschirm­springermaschine gelten Startbeschrän­kungen. Die Erweiterung einer Flugschu­le mit Gyrocopter wurde laut Riesterer ab­gelehnt, woraufhin sich die Schule aus dem Gewerbepark zurückgezogen hat.

Was sagt das Regierungspräsidium?

Auch das Regierungspräsidium (RP) weist die Darstellung der Aflig zurück. „In kei­ner der Gesprächsrunden wurde seitens des RP Freiburg geäußert, dass verbind­liche Anflugrouten nicht gewünscht sei­en. Im Gegenteil, wir würden diese sogar sehr unterstützen“, so Pressesprecher Markus Adler auf BZ-Anfrage. „Jedoch ist dies bei einem Sonderlandeplatz wie Bremgarten nur schwer umzusetzen und die erforderliche Zustimmung der Deut­schen Flugsicherung nur sehr schwer zu erhalten“, so Adler weiter. „Die Luftfahrt­behörde hat immer deutlich gemacht, dass sie offen für weitere Gespräche ist, um zu versuchen, eventuell doch noch ei­nen Weg zu finden.“

Was sagt die Moderatorin?

Diese Darstellung bestätigt Bärbl Mielich, die Moderatorin der Gesprächsrunden. „Die Änderung der Flugrouten wurde bei dem dritten Gespräch in Aussicht gestellt, der Antrag bei der Luftfahrtbehörde lief zu der Zeit noch, das RP hat den Antrag uneingeschränkt befürwortet. Die Ableh­nung der Aflig kam in der Sitzung unab­hängig von der Genehmigung“, so Mie- lich. Die Flugrouten seien im Einverneh­men mit Aflig und Pro Flug erarbeitet wor­den, ebenso die Ruhezeiten. Beides sei „ein klassischer Kompromiss, der dann überraschend der Aflig nicht mehr reich­te“. Die Interessengemeinschaft habe ih­re ursprüngliche Forderung nach Flugver­boten am Wochenende erneut gestellt. „Die Forderung war von deren Seite auch nicht verhandelbar. Dieses Vorgehen hat alle anderen Teilnehmer und Teilnehme­rinnen überrascht, auch die Behörden­vertreter und den Geschäftsführer des Gewerbeparks, Herrn Riesterer. Die Ge­spräche waren damit gescheitert, sehr be­dauerlich“, sagt die Staatssekretärin.

Quelle: Notizen Anwesender und Bericht in der Badische Zeitung

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